Leben

Vitamin D in der Schwangerschaft

von Mag. Margit Weichselbraun
am 07.03.2024

Vitamin D unterstützt das normale Wachstum und die Entwicklung der Knochen sowie die Funktion des Immunsystems bei Kindern – doch wie schaut es bei Schwangeren aus? Das fragen sich viele werdende Mütter, die für sich und ihr Baby nur das Beste wollen. Wir beleuchten, warum das Sonnenvitamin auch in der Schwangerschaft wichtig ist, wie hoch der Vitamin-D-Spiegel bei Schwangeren sein sollte und was es für werdende Mütter in puncto Vitamin D sonst noch so zu beachten gibt.

Warum ist Vitamin D wichtig?

Eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen ist vor allem in der Schwangerschaft ein Thema, das werdende Eltern häufig beschäftigt. Während für einige Vitamine und Mineralstoffe ein erhöhter Bedarf besteht, ändert sich der tägliche Bedarf an Vitamin D nicht während der Schwangerschaft, dennoch spielt das Sonnenvitamin auch in dieser Lebensphase eine Rolle. Sowohl die Plazenta als auch das kindliche Gewebe sind mit Vitamin-D-Rezeptoren ausgestattet. Die Entstehung neuen Lebens ist unweigerlich mit einer regen Zellteilung verbunden. Neben Folsäure, Vitamin B12, Magnesium, Zink und Eisen kommt auch Vitamin D eine Rolle bei der Zellteilung zuteil.

Doch auch auf anderen Ebenen unterstützt das Sonnenvitamin die werdende Mutter. So ist Vitamin D als Regulator des Calcium- und Phosphatstoffwechsels maßgeblich an einem normalen Knochenstoffwechsel beteiligt – eine ausreichende Versorgung ist für die Erhaltung normaler Knochen und Zähne von Bedeutung. Darüber hinaus ist das Vitamin auch für die immunologische Schlagkraft wichtig, indem es zu den normalen Funktionen des Immunsystems beiträgt.

Die Wirkung von Vitamin D in der Kompaktübersicht:

  • Vitamin D hat eine Funktion bei der Zellteilung
  • Vitamin D trägt zu einer normalen Aufnahme / Verwertung von Calcium und Phosphor bei sowie zur Erhaltung normaler Knochen und Zähne
  • Vitamin D trägt zur Erhaltung der Muskelfunktion bei
  • Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei

Bedarf: Wie viel Vitamin D braucht man am Tag in der Schwangerschaft?

Vitamin D ist das einzige Vitamin, dessen Versorgung statt über die Ernährung in erster Linie über die Sonne erfolgt. Für den Fall, dass die körpereigene Bildung nicht gegeben oder nur schwer möglich ist – sei es durch die dunkle Jahreszeit oder wenn man zwischen 10 bis 16 Uhr meist in Innenräumen verweilt – hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sogenannte „Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr“ definiert. Für schwangere Frauen liegt dieser Richtwert bei 20 µg Vitamin D (= 800 I.E.) täglich – der Richtwert ist derselbe wie für Kinder ab einem Jahr, Jugendliche und Erwachsene sowie stillende Frauen.

Vitamin-D-Spiegel in der Schwangerschaft

Die eine oder andere werdende Mutter fragt sich nun vielleicht, wie es um ihren eigenen Vitamin-D-Spiegel bestellt ist. Eine labordiagnostische Bestimmung kann hier Licht ins Dunkel bringen. Zur Feststellung des Vitamin-D-Status wird Vitamin D als 25-Hydroxy-Vitamin D3 im Blut gemessen und je nach Labor entweder als nmol/l oder als ng/ml angegeben*. Auch hier gelten die gleichen Referenzwerte wie für Erwachsene.

Normalbereiche

25-Hydroxy-D-Serumspiegel (nmol/L)

25-Hydroxy-D-Serumspiegel (ng/ml)  (-> gleichzusetzen mit „µgl/L“)

Ausreichende Versorgung

75 – 100 nmol/L

30 – 40 ng/ml

Optimale Versorgung

100 – 150 nmol/L

40 – 60 ng/ml

* Umrechnung von nmol/l in ng/ml: Einfach den Wert in nmol/l durch 2,5 dividieren.

Vitamin D Substitution: alles zu Einnahme & Dosierung

Darf man in der Schwangerschaft Vitamin D nehmen? 

Ja. Vitamin D darf auch in der Schwangerschaft eingenommen werden. Es ist sogar empfehlenswert, sich den Vitamin-D-Spiegel im Blut messen zu lassen und bei Bedarf zu ergänzen.

Wie viel Vitamin D in der Schwangerschaft einnehmen?

Wie viel Vitamin D in der Schwangerschaft eingenommen werden sollte, sollte am besten mit der:dem behandelnden Ärzt:in oder der betreuenden Hebamme abgeklärt werden. Ein Bluttest gibt den Experten die Möglichkeit, sich ein Bild vom aktuellen Vitamin-D-Status der werdenden Mutter zu machen und im Bedarfsfall mit einer optimal abgestimmten Dosierung zu reagieren.

Soll man hochdosiertes Vitamin D nehmen?

Hochdosiertes Vitamin D sollte nicht eigenmächtig eingenommen werden, sondern gehört in die Hände von Ärzt:innen, die von Fall zu Fall über die Dosierung und Einnahmedauer entscheiden.

Welche Vitamin-D-Präparate eignen sich in der Schwangerschaft?

In der Schwangerschaft sollte zu besonders reinen und hochwertigen Vitamin-D-Präparaten (z.B. möglichst Zusatzstoff-freie Rezeptur, vertrauenswürdiger Qualitätshersteller) gegriffen werden und auch die Dosierung sollte in Absprache mit medizinischem Fachpersonal passend gewählt sein.

Vitamin-D-Tabletten oder -Tropfen?

Schwangere Frauen, die sich entschließen, das Sonnenvitamin zu ergänzen, haben die Qual der Wahl: Tropfen, Kapseln und Tabletten sind wohl die häufigsten Varianten am Markt – doch welches Präparat sollten werdende Mütter wählen?

Eines vorweg: Das ultimative Vitamin-D-Präparat gibt es nicht. Was bei der Kaufentscheidung jedoch stets immer im Vordergrund stehen sollte, ist die Qualität des Präparates sowie die richtige Dosierung.

Für Vitamin D Tropfen spricht, dass das fettlösliche Vitamin bereits im öligen Milieu gelöst vorliegt. Zudem sind Tropfen angenehm einzunehmen und individuell dosierbar. Weniger ideal ist die oft geringere Haltbarkeit von Tropfen im Vergleich zu Kapseln oder Tabletten.

Die am Markt verbreitetste Darreichungsform ist Vitamin D in Tablettenform. Auch hier gibt es Varianten, bei denen Öl für eine verbesserte Vitamin-D-Löslichkeit gleich inkludiert ist. Viele Tablettenprodukte enthalten jedoch nicht nur Wirkstoffe, sondern auch unnötige Zusatzstoffe (wie z.B. Farb- und Geschmackstoffe) und sind aus diesem Grund weniger ratsam.

Vitamin D Kapseln bestechen oft mit ihrer besonderen Reinheit, da bei Kapseln meist gut auf Zusatzstoffe verzichtet werden kann, sie sind hygienisch und auch ohne Zusatzstoffe relativ lange haltbar. Präparate, die nicht automatisch Öl inkludieren, sollten stets zu einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen, um das Vitamin gut in den Körper aufnehmen zu können.

Folsäure und Vitamin D in der Schwangerschaft kombinieren?

Folsäure und Vitamin D können in der Schwangerschaft ohne weiteres miteinander kombiniert werden. So wie Vitamin D spielt auch Folsäure eine Rolle in der Zellteilung. Durch diese Funktion trägt die Folsäure nicht zuletzt auch zum Wachstum des mütterlichen Gewebes während der Schwangerschaft bei.

Vitamin D vor der Schwangerschaft

Bereits wenn Frauen einen Kinderwunsch hegen, sollten sie ihr „inneres Nest“ mit gut gefüllten Nährstoffdepots auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereiten. Besonders wichtig ist hier allen voran die Folsäure, jedoch auch auf Vitamin D sollte (u.a.) geachtet werden. Um gut versorgt in die Schwangerschaft zu starten, sollte dementsprechend schon im Vorfeld der Vitamin-D-Status gemessen werden und ggf. gehandelt werden.

Fazit: Der Körper einer werdenden Mutter gibt in der Schwangerschaft alles - und so sollte auch ihm alles geben werden, was er für sich und das heranwachsende Leben braucht. In dieser staunenswerten Zeit hat neben der allseits bekannten Folsäure auch Vitamin D Aufmerksamkeit verdient. Anhand einer Blutprobe kann der:die Ärzt:in des Vertrauens feststellen, wie es um den jeweiligen Vitamin-D-Spiegel der Schwangeren bestellt ist und mit maßgeschneiderten Vitamin-D-Dosierungen auf die individuelle Versorgungslage reagieren.

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