Better Living
VonRedaktion1 Min Lesezeit
Versandkostenfrei ab 75 CHF
)
28.05.2017 • 1 Min Lesezeit
Prof. Beyreuther erzählt uns in einem kurzen Interview, inwiefern Mikronährstoffe das Risiko an Alzheimer zu erkranken beeinflussen können und welche andere Umweltfaktoren, wie Umweltgifte, Stress, Schlaf und Funkwellen, unser Risiko erhöhen können.
Herr Prof. Beyreuther, Schwermetalle, das Leichtmetall Aluminium, Toxine und andere Umweltgifte belasten bekanntlich unsere Leber. Haben diese Stoffe auch eine Relevanz für das Alzheimer-Risiko?
„Wenn wir über Umweltgifte und Demenz nachdenken, sollten wir uns im Klaren sein, dass unser Gehirn ein höchst privilegiertes Organ in Bezug dessen ist, was es bereit ist, aufzunehmen und nicht aufzunehmen. Die Bluthirnschranke übernimmt eine strenge Grenzkontrolle und lässt nur wenige Substanzen – wie Glukose (einzige Energiequelle des Gehirns), bestimmte Aminosäuren, Vitamine, Spurenmineralien sowie eine beschränkte Zahl weiterer Substanzen – ins Gehirn. Diese Grenzkontrolle ist bei einer Schrankenstörung weniger effizient. Schrankenstörungen können eine Folge von Hirninfarkten, Diabetes mellitus, bestimmten Krebserkrankungen oder Gehirnentzündungen (Meningitis nach Viren- oder Bakterieninfektionen) sein. Diese Störungen treten allerdings relativ selten auf. Umweltgifte haben es also in der Regel schwer, ins Gehirn zu gelangen. Trotzdem sollten Vorsichtsmaßnahmen nicht außer Acht gelassen werden. Auch ohne Beweise für eine ursächliche Beteiligung von Aluminium-Verbindungen an der Entstehung der Alzheimer-Krankheit sollte beachtet werden, dass Aluminiumsalze und eine Reihe weiterer Umweltgifte in Experimenten mit Zellkulturen toxisch auf Nervenzellen wirken. Und da ein kleiner Infarkt bei mehr als 600 Kilometern Blutgefäßen im Gehirn jederzeit auftreten kann und z.B. Aluminiumsalze oder Schwermetalle infolgedessen ungehindert eindringen können, sollte eine unnötige Belastung vermieden werden. Das heißt, Aluminiumgeschirr und -folien, die nicht beschichtet sind, sollen nicht mit sauren oder salzhaltigen Lebensmitteln benutzt werden, die Aluminiumsalze freisetzen können. Deodorants mit Aluminiumsalzen sollen bei offenen Wunden nicht benutzt werden. Weniger problematisch sind Aluminiumdosen und Kaffeekapseln. Sie sind in der Regel beschichtet und die Aluminiumbelastung der Getränke aus diesen Dosen und Kapseln dürfte gering sein. Für Hirninfarkte ist die beste Vorbeugung das Vermeiden von Arterienverkalkung und Bluthochdruck durch 30-minütige Bewegung fünfmal pro Woche, eine Ernährung mit möglichst wenig gesättigten Fetten und natürlich die ärztliche Begleitung.“
In der Mikronährstoff-Forschung taucht im Zusammenhang mit Alzheimer derzeit immer wieder Vitamin C auf. Was macht dieses Vitamin in diesem Kontext so spannend?
„Vitamin C ist für unser Gehirn sehr wichtig. Es neutralisiert aggressive Teilchen, sogenannte Sauerstoff-Radikale, die bei der zellulären Energieproduktion entstehen. Da unser Gehirn etwa ein Viertel der täglich erzeugten menschlichen Energie verbraucht, ist es auch einer der größten Produzenten von Sauerstoff-Radikalen.
Niedrige Vitamin-C-Spiegel können mit altersbedingten kognitiven Veränderungen in Verbindung gebracht werden. Auch Patienten mit Alzheimer-Demenz weisen oft erniedrigte Vitamin-C-Plasma-Konzentrationen auf.
Was ist zu tun? Menschen im mittleren Lebensalter zwischen 40 und 50 Jahren – dem für ein erfolgreiches Altern kritischen Zeitpunkt- sollten sich vergewissern, dass ihre Vitamin-C-Blutplasma Werte im Normbereich liegen (40 bis 60 Mikromol oder 7 bis 11 Milligramm Vitamin C pro Liter Blut) Werte unter 28 Mikromol oder 5 Milligramm Vitamin C pro Liter Blut sind bedenklich und in diesem Fall bedarf es der Zufuhr von Vitamin C.
Wie viel Vitamin C benötigt wird, um Normalwerte zu erreichen, hängt von der Vitaminaufnahme ab, die von Person zu Person durchaus unterschiedlich effizient sein kann. Deshalb bedarf es einer labordiagnostischen Kontrolluntersuchung des Arztes, um festzustellen, ob die Vitamin-C-Supplementierung ausreichend war, um einen Normalwert zu erreichen. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geht von einem durchschnittlichen Tagesumsatz und Bedarf von einem Milligramm Vitamin C pro Kilogramm Körpergewicht
Vorangegangene Studien haben die Frage aufgeworfen, ob Eisen und Zink möglicherweise zu Alzheimer beitragen können. Ist nun ernährungstechnisch vor diesen Mikronährstoffen Vorsicht geboten oder spielt die alimentäre Zufuhr in dem Zusammenhang keine Rolle?
„Eisenmangel ist schädlich für den Übertragungsprozess der Nerven und die Energieversorgung der Nervenzellen. Da die Bildung der für die Alzheimer-Krankheit charakteristischen Amyloid-Plaques [Protein-Fragmente, die sich zu harten unauflöslichen Ablagerungen anhäufen, Anm. d. R.] in einem Gehirnareal beginnt, der chronisch unter Energiemangel leidet, ist ein Zusammenhang zwischen Eisenmangel und Alzheimer-Demenz durchaus möglich.
Doch auch ein Zuviel an Eisen – beispielsweise als Folge von Blutungen nach einem Hirninfarkt (siehe auch Punkt 1) – hat fatale Folgen. Dadurch kommt es zu einer enormen Bildung von aggressiven Sauerstoff-Radikalen und in weiterer Folge zu einem massiven Nervenzelltod, der ein Charakteristikum der Alzheimer-Krankheit darstellt.
Mischformen aus der vaskulären Demenz nach Hirninfarkten und der Alzheimer-Demenz sind häufig. Man schätzt, dass dies auf jeden zweiten Alzheimer-Patienten zutrifft.
Zink und Kupfer sind weitere essentielle Spurenelemente, die neben Eisen eine kritische Rolle bei der Alzheimer-Krankheit spielen können. Hier gilt dasselbe wie für Eisen: Zu wenig und zu viel ist schädlich. Hohe Zinkwerte hemmen nicht nur die Aufnahme von Kupfer und Eisen, sondern könnten auch – wie in Tierexperimenten gezeigt wurde – die Bildung der für die Alzheimer-Krankheit charakteristischen Amyloid-Plaques begünstigen.
Da Zink für über 300 Stoffwechselprozesse essentiell ist, gefährden niedrige Zinkspiegel unsere Gesundheit. Niedrige Zink-Konzentrationen werden auch in Zusammenhang mit Depression diskutiert und, da Depression ein Risikofaktor der Alzheimer-Krankheit ist, schlage ich vor, wie bei Vitamin C zu verfahren und die Zink-Versorgung labordiagnostisch vom Arzt bestimmen zu lassen. Im Blut sollten die Normwerte bei 4,0 bis 7,5 Milligramm pro Liter liegen.“
Herr Prof. Beyreuther, welche Rolle spielt das Stoffwechselprodukt Homocystein bei der Entstehung von Alzheimer und welche ernährungsphysiologischen Maßnahmen kann man ergreifen, um den Homocystein-Spiegel zu senken?
„Für das Gedächtnis, das Erinnern und den Wachstumsprozess aller menschlichen Zellen ist die Bildung von Eiweiß essentiell. Jede Eiweiß-Produktion beginnt mit dem Baustein Methionin. Das Abbauprodukt von Methionin ist Homocystein, wobei hohe Homocystein-Spiegel auf einen Methionin-Mangel hindeuten. Um wieder genügend Methionin für das Gehirn zu erzeugen, werden die Vitamine B12, B6 sowie Folsäure benötigt. Anders gesagt, hohe Homocystein-Blutwerte sind die Folge eines Mangels an diesen B-Vitaminen. Dann heißt es Nährstoffpräparate schlucken oder bei der Ernährung auf einen ausreichenden Verzehr von Hülsenfrüchten, tierischen Produkten und Getreide achten.“
Herr Prof. Beyreuther, welche Rolle spielt Schlaf im Alzheimer-Kontext?
„In der tiefsten Schlafphase, dem Tiefschlaf, nimmt die Flüssigkeit zwischen den Gehirnzellen um 60 % zu. Es ist jene Schlafphase, in der nicht benötigte Stoffwechselprodukte aus dem Gehirn entfernt werden können. Auch bestimmte Abbauprodukte, die den bei der Alzheimer-Krankheit auftretenden Amyloid-Plaques als Baustoffe dienen, werden ausgespült. Tiefschlafwirkt deshalb präventiv. Dies konnte auch in Tierexperimenten belegt werden.
Stress reduziert den Tiefschlaf. Damit wir die Hälfte der empfohlenen Schlafdauer von sieben Stunden im Tiefschlaf verbringen können, bedarf es effizienten Stressmanagements vor dem Schlafengehen. Mit Tabletten kann Tiefschlaf derzeit nicht erreicht werden.“
Vitamin D wird seit einigen Jahren extrem beforscht. Mittlerweile weiß man, dass das fettlösliche Vitamin mehr kann, als „nur“ feste Knochen zu unterstützen. Ist das Sonnenvitamin auch hinsichtlich Alzheimer ein Thema?
„Beobachtungsstudien deuten tatsächlich darauf hin, dass ein Vitamin-D-Mangel ein erhöhtes Risiko für die Alzheimer-Krankheit und andere Demenz-Erkrankungen darstellt. Dies ist auch nicht besonders verwunderlich, ist Vitamin D doch an einer Vielzahl von zellulären Prozessen, auch von Gehirnzellen, beteiligt. Sich einer normalen Vitamin-D-Konzentration zu versichern, ist nicht nur eine sinnvolle Vorsorge gegenüber Osteoporose, sondern auch eine Vorsorge gegenüber Demenz. Wer sich fünfmal wöchentlich 30 Minuten lang bewegt, der kann auch die benötigte Menge an Vitamin D in seinem Körper bilden – vorausgesetzt man gehört nicht zu den Menschen, bei denen der Arzt einen chronischen Vitamin-D-Mangel festgestellt hat.“
Viele Menschen können nicht mehr ohne. Handy und WLAN sind mittlerweile Teil vieler Leben. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Haben diese Funkwellen Einfluss auf die Alzheimer-Entstehung?
„Ich sehe einen Zusammenhang zwischen Internet-Technologien und dem Rückgang der Neuerkrankungen an Alzheimer-Demenz. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Neuerkrankungen sogar erstaunliche 25 % zurückgegangen.
Es findet eine kognitive Revolution statt. In Deutschland haben mittlerweile 80 % der Bürger einen Berufsabschluss der Sekundarstufe 2 [in Österreich Oberstufe genannt, Anm. d. R.]. Das heißt, die Gehirne werden widerstandsfähiger gegen den Untergang von Nervenzellkontakten, da diese Menschen in ihrem Leben mehr Nervenzellkontakte aufgebaut haben.
Natürlich wohnen Segen und Fluch nah beieinander. Handys gehören nicht in die Hände von Kleinstkindern, da eine Schädigung des sich entwickelnden Nervensystems durch Hitzewellen nicht ausgeschlossen werden kann.“
Omega-3-Fettsäuren sind Baustoffe für Gehirn und Nerven. Ginkgo unterstützt die Gehirndurchblutung. Ist es aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll, dass ältere Menschen diese Vitalstoffe unterstützend einnehmen?
„Eine ganz neue Beobachtungs-Studie zu den Fischölen DHA (Docosahexaensäure) und EPA (Eicosapentaensäure) hat gezeigt, dass die hoch dosierte Einnahme dieser Substanzen (800 Milligramm DHA pro Tag und 225 Milligramm EPA pro Tag) kombiniert mit Bewegung (fünfmal wöchentlich 30 Minuten Bewegung) das Fortschreiten der frühen Symptome der Alzheimer-Krankheit um etwa 3,5 Jahre verzögern kann. Ohne Bewegung ist es nur die Hälfte.“
Noch eine Abschlussfrage. Stress am Arbeitsplatz, der Pensionsschock oder andere belastende Situationen. Haben emotionale Stress-Situationen oder Belastungen Einfluss auf die Entstehung von Alzheimer?
„Stress und andere stark belastende Situationen, auch Armut, gehören zu den bedeutendsten Risikofaktoren der Alzheimer-Krankheit. Menschen, die über ihre Probleme reden können, sowie Menschen mit guten sozialen Kontakten haben ein geringeres Erkrankungsrisiko. Deshalb empfehle ich, den „mentalen Keller“ – da, wo es möglich ist – regelmäßig aufzuräumen.“
)
Das BIOGENA Redaktions-Team freut sich, dich über alle aktuellen Ereignisse und Unternehmens-News zu informieren: Presseartikel, Produktneuheiten uvm.
Melde dich für unseren Newsletter an, erhalte deinen persönlichen 10€-Gutschein und freue dich auf spannende Einblicke zu aktuellen Produktneuheiten, Gewinnspielen sowie Gesundheitstipps – so bist du auf deiner Wohlfühlreise bestens begleitet.