Mikronährstoffe

Unter Verdacht

Eine Person, die eine Petrischale mit einer weißen, pulverartigen Substanz in der Hand hält und einen blauen Handschuh trägt. Unscharfer grün-weißer Hintergrund.
Redaktion

28.06.20172 Min Lesezeit

Nicht alle offiziell für die Produktion von Lebensmitteln zugelassenen Zusatz- und Hilfsstoffe sind so unbedenklich, wie uns der Gesetzgeber glauben lassen möchte. Und immer wieder werden als harmlos eingestufte Substanzen zu einem späteren Zeitpunkt als doch nicht sicher eingeschätzt. Jüngstes Beispiel ist die Neubewertung des Farbstoffs Titandioxid.

Letzte Woche ist mir die Nachricht auf den Schreibtisch (besser über den Bildschirm) geflattert, dass Titandioxid nun von der European Chemical Agency (ECHA) verdächtigt wird, krebserregend zu sein, wenn die Substanz inhaliert wird („classified as suspected of causing cancer when inhaled“). Man kann davon ausgehen, dass Substanzen, die über die Lungenschleimhaut karzinogen wirken, auch über die Darmschleimhaut schädigende Wirkungen entfalten. Und mit verarbeiteten Lebensmitteln nehmen wir eine nicht unbeträchtliche Menge an Titandioxid über den Gastrointestinaltrakt auf. Das hat mich veranlasst, mich intensiver mit den neuesten Forschungsergebnissen zu diesem Thema auseinanderzusetzen. Und es sind beunruhigende Fakten, die sich ergeben haben.

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Titandioxid findet sich überall

Das Weißpigment Titandioxid (TiO2) hat ein weites Anwendungsgebiet. Es ist Bestandteil von Farben und Lacken, Kunststoffen, Papier und Kosmetika. Unter der Nummer E171 findet sich Titandioxid als weißer Farbstoff in Lebensmitteln aller Art, beispielsweise in Süßigkeiten, Schokolade, Käse oder weißen Saucen. Also überall dort, wo weiße Farbe oder glänzende glatte Flächen gewünscht werden.

Auch für Überzüge von Dragees und Kapselhüllen wird Titandioxid gerne verwendet. Und hier wird es für den Therapeuten interessant, denn viele Arzneimittel und Mikronährstoffpräparate enthalten ebenfalls diesen Farbstoff. Ihn zu finden, ist für den Verbraucher nicht immer ganz leicht: Bei Medikamenten wird er bei „Sonstige Bestandteile“ unter der Nummer C.I. 77891 geführt, bei Nahrungsergänzungen in der Zutatenliste unter der Nummer E171.

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Bedingungslose Transparenz

Titandioxid macht den Herstellern das Leben leicht. Es sorgt für schön glänzende Kapseln, die darüber hinaus blickdicht sind. Keiner sieht also, was im Inneren der Kapsel vorgeht – ob sich die Farbe verändert, ob das Füllgut hygroskopisch reagiert oder ob sich Bestandteile entmischen. Diese natürlichen unbedenklichen Vorgänge können den Kunden klarerweise irritieren. Um dieser Verunsicherung auszuweichen, erfreut sich TiO2 als verdeckender Bestandteil in den Kapselhüllen großer Beliebtheit.

Wir bei Biogena verzichten dennoch konsequent auf Hilfs- und Zusatzstoffe und produzieren nach dem Reinsubstanzenprinzip. So verwenden wir durchsichtige ungefärbte Kapselhüllen ohne Titandioxid und erlauben bedingungslose Transparenz. Dieser bewusste Verzicht auf Farb-, Hilfs- und Zusatzstoffe ist eine wesentliche Charakteristik der Biogena-Produkte. Mit gutem Grund, denn vieles zeigt sich oft erst im Lauf der Jahre. So finden sich auf PubMed über 60 Einträge zum Thema Toxizität von TiO2 („titanium dioxide nanoparticles toxicity“) von Januar bis Juni 2017. Das sind in sechs Monaten doppelt so viele Forschungsergebnisse wie in den Jahren 2005 bis 2007. Heute weiß man also über das Risiko wesentlich mehr als noch vor zehn Jahren.

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Noch immer quantum satis trotz hohem Risiko

Unsere Gesetzgeber reagieren langsam oder gar nicht. E171 darf in Lebensmitteln noch immer ohne Höchstmengenbeschränkung (quantum satis) eingesetzt werden. Gleiches gilt für Arzneimittel. Bis vor einigen Jahren wurde davon ausgegangen, dass Titandioxid als unverdauliche Substanz vollständig ausgeschieden wird. Die Forschung der letzten Jahre zeigt aber etwas anderes. So besteht das in Lebensmitteln verwendete Titandioxid zu 5 bis 10 % aus Partikeln, die <100 Nanometer groß sind. Diese Nanopartikel werden über den Intestinaltrakt aufgenommen und haben systemische Effekte. Toxikologische Tests an Ratten zeigten bereits nach einer 1-wöchigen TiO2-Aufnahme von einer umgerechnet auf eine für den Menschen relevanten Menge eine Anreicherung von TiO2-Nanopartikeln in den Peyer‘schen Plaques und eine nachweisliche Beeinflussung der immunologischen Reaktionen. Nach 100 Tagen waren Mikro-Inflammationen im Colonbereich nachweisbar (Bettini 2016). Die Nanopartikel passieren die Blut-Hirn-Schranke und reichern sich im Gehirn an. Über DNA-Methylierung kann TiO2 dann zur Dysfunktionalität des neuralen Systems beitragen (Song 2016). Auch die Spermatogenese wird durch Titandioxid beeinträchtigt, wie eine aktuelle Studie zeigt (Miura 2017), um nur einige Erkenntnisse zu zitieren.

Es wäre also höchste Zeit, dass die EFSA (European Food Safety Authority) und die Arzneimittelbehörden sich dieses Themas annehmen.

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Reinsubstanzenprinzip – Better safe than sorry

Das Beispiel Titandioxid macht deutlich, welche Vorteile es hat, auf Stoffe zu verzichten, die zwar technische Vorteile bieten, der Mensch aber nicht braucht. Und das obwohl die Verbindungen als unbedenklich eingestuft werden. Denn die Unbedenklichkeit kann sich schnell ändern, wie wir gerade gesehen haben.

Wir Hersteller nach dem Reinsubstanzenprinzip haben diesen nicht immer einfachen Verzicht auf diese Stoffe zu unserem Thema gemacht. Eine Produktion ohne technische Hilfsstoffe und ohne Farb- und Zusatzstoffe ist aufwändiger und kostenintensiver. Für die langfristige Gesundheit jedoch ist unser Weg mit Sicherheit der bessere. Lassen Sie ihn uns gemeinsam gehen.

BIOGENA-Logo mit einer stilisierten Figur in einem blauen Kreis vor weißem Hintergrund.

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Literatur:

Bettini, S. et al. 2017. Food-grade TiO impairs intestinal and systemic immune homeostasis, initiates preneoplastic lesions and promotes aberrant crypt development in the rat colon. Sci Rep. doi: 10.1038/srep40373.

Song, B. et al. 2016. Unraveling the neurotoxicity of titanium dioxide nanoparticles: focusing on molecular mechanisms. Beilstein J Nanotechnol. 7:645–54.

Miura, N. et al. 2017. High sensitivity of testicular function to titanium nanoparticles. J Toxicol Sci. 42(3):359–66.

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