Mikronährstoffe

Bitterstoffe: Wieso bitter gesund ist und dem modernen Körper guttut

Nahaufnahme von frischen Radicchio-Blättern, die ihre leuchtenden violetten und weißen Farben zur Geltung bringen und in einer Schüssel arrangiert sind.

Mag. Margit Weichselbraun

05.01.20243 Min Lesezeit

Zugegeben, es ist meist nicht Liebe auf den ersten Blick: bitter, die Geschmacksrichtung, die vielen Menschen zuerst einen sauren Gesichtsausdruck und dann im Abgang ein verzogenes Lächeln ins Antlitz zaubert. Dennoch können bitter schmeckende Pflanzenstoffe, gezielt verwendet, wertvolle Lifehacks bieten. Was Bitterstoffe so gesund macht und wieso gerade wir „modernen“ Menschen Bitterstoffe bitter nötig haben, erfahren Sie heute.

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Was sind Bitterstoffe?

Bitterstoffe sind bitter schmeckende Substanzen, mit denen sich Pflanzen vor ihren Fressfeinden schützen. Da viele Giftstoffe einen hohen Bitterwert aufweisen, lassen kleine Pflanzenfresser wie Raupen oder Schnecken lieber ihre „Finger“ davon. Andere Tiere wiederum (z. B. Schafe) fressen instinktiv bestimmte bittere Kräuter, wenn es ihnen nicht gut geht. Und auch für uns Menschen ist gegen so manches Gesundheitsproblem ein „Bitterkräutchen“ gewachsen.

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Bitter – Geschmacksrichtung mit Charakter

Unter den Geschmacksrichtungen ist bitter eindeutig die „Diva“, denn sie macht es unseren Geschmacksknospen alles andere als einfach. Während der menschliche Körper für das Erkennen der Geschmacksqualitäten umami und süß lediglich drei Rezeptoren besitzt, erzeugt bitter ein Geschmacksfeuerwerk, an dem über 20 unterschiedliche Rezeptoren beteiligt sind.

Bitter ist eine unverwechselbare Geschmacksrichtung, die nicht jeder gleich ins Herz schließt. Zudem hat jeder Mensch eine individuelle Wahrnehmung von Bitterem. Diese hängt teils von der Menge und den Typen der verschiedenen Bitterstoffrezeptoren ab. Die Information hierfür ist bereits in unseren Genen verankert. Dennoch kann sich das individuelle Geschmacksempfinden im Laufe des Lebens ändern und die Bitterlust durch den regelmäßigen Verzehr von Bitterstoffen trainiert und erlernt werden.

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Eine Geschmacksrichtung geht verloren

Heutzutage wird unserem Gaumen jedoch nur mehr selten die Möglichkeit dazu gegeben. Von der modernen Lebensmittelindustrie als sensorischer Störfaktor eingestuft, wurden die Bitterstoffe aus vielen Gemüsesorten herausgezüchtet, um diese dem Durchschnittsverbraucher schmackhafter zu machen. So haben auch viele ursprünglich bittere Kräuter und Gemüse an bitterem Charakter verloren. Ein erheblicher Verlust, wenn man betrachtet, welch gesundheitlichen Nutzen Bitterstoffe für unseren Körper haben.

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Diese Lebensmittel stillen die Bitterlust

  • Rucola

  • Artischocke

  • Endivie

  • Radicchio

  • Chicorée

  • Löwenzahn

  • Grünkohl

  • Rosenkohl

  • Giersch

  • Grapefruit

  • dunkle Schokolade

  • Kaffee

  • Tee

Wussten Sie schon, …

… dass Bitterstoffe von ihrer chemischen Struktur her sehr unterschiedlich sein können? Die mittlerweile über 1000 bekannten verschiedenen Bittersubstanzen haben per Definition nur eines gemein: Sie schmecken ganz schön bitter. Ein heimischer Vertreter ist besonders hervorzuheben: Das in den Wurzeln des heimischen Gelben Enzians enthaltene Amarogentin gilt heute als die bitterste natürliche Substanz mit einem Bitterwert von 58.000.000. Das heißt, Amarogentin ist auch in einer Verdünnung von eins zu 58 Millionen noch deutlich wahrnehmbar.

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Die Kraft von Bitterstoffen und wie sie wirken

Die wundersame Wirkung von Bitterstoffen haben Pflanzenkundige auf der ganzen Welt bereits früh entdeckt. In unserer Zeit kennt man Bitterstoffe allem voran zur Appetitanregung und Verdauungsförderung. Dass Bitterstoffe weit mehr können als das, unterstreichen neuere Forschungsergebnisse. Insbesondere die Entdeckung und Beschreibung von unterschiedlichen Bitterstoffrezeptoren an unterschiedlichen Körperstellen (Abb. 1.) wirft neue Anwendungsbereiche auf. Dazu zählen beispielsweise die Pflege strapazierter Haut oder die Unterstützung von Abwehrprozessen in den Atemwegen. Wir greifen für Sie die Vorteile des bitteren Geschmackserlebnisses auf.

Diagramm des menschlichen Körpers mit beschrifteten Teilen: Gehirn, Mund, Atemwege, Immunzellen, Urogenitaltrakt, Haut und Spermien.

Abb. 1: Bitterstoffrezeptoren gibt es nicht nur im Mundraum.

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Bitterstoffe und Verdauung

Bitterstoffe sind wahre Verdauungshelfer. Sobald unsere Zunge bitter wahrnimmt, beginnen die Verdauungsorgane ihr „Warm-up“. Neurale und hormonelle Prozesse kurbeln die Produktion des Magensafts, der Gallenflüssigkeit und des Bauchspeicheldrüsensekrets an, fördern die Verdauung von Eiweißen, Kohlenhydraten sowie Fetten und regen die Darmtätigkeit (Darmbewegung, -durchblutung, Nährstoffaufnahme) und den Leberstoffwechsel an. Gerade bei Appetitlosigkeit machen Bitterstoffe durch ihre verdauungsanregende Wirkung Lust auf mehr.

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Bitterstoffe und Abnehmen

Bitterstoffe sind jedoch auch wahre Figurschmeichler, denn sie nehmen Heißhungerattacken den Wind aus den Segeln. Führen wir Bitterstoffe zu uns, schlagen unsere Geschmacksrezeptoren evolutionsbedingt Alarm. Da viele giftige Pflanzen bitter schmecken, führt der Bittergeschmack zu einer Ausschüttung des Hormons Cholecystokinin, welches als natürliche Essbremse fungiert. Zugegebenermaßen ist es schon etwas gewöhnungsbedürftig, bei Lust auf Süßkram oder Junkfood zu Rucola, Grapefruit und Co zu greifen – eine Heißhunger-Attacke lässt sich damit jedoch erfolgreich bekämpfen.

Neue Studien deuten außerdem darauf hin, dass Bitterstoffe über weitere Mechanismen in unseren Stoffwechsel eingreifen bzw. uns beim Abnehmen unterstützen können. Hierzu zählen unter anderem eine Wirkung auf den Blutzuckerspiegel und eine Erhöhung des Energieverbrauchs.

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Bitterstoffe und Leber

Bitterstoffe sind für unsere Leber alles andere als eine „bittere Pille“. Vielmehr sind sie ihr besonders zuträglich. So kurbeln die wertvollen Pflanzenstoffe die Funktion von Leber und ihrem Hilfsorgan Galle an. Das unterstützt den Körper nicht nur bei der Fettverdauung, auch die Ausscheidung von Giftstoffen und Stoffwechselabfällen wird gefördert. Bestimmte Bitterstoffvertreter, wie zum Beispiel Mariendistel und Artischocke, schützen die Leber darüber hinaus vor schädlichen Einflüssen und unterstützen ihre Regeneration.

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Bitterstoffe – was muss ich bei der Einnahme beachten?

Damit Bitterstoffe ihren gewünschten Effekt entfalten können, ist richtiges Timing gefragt. Während einer Heißhungerattacke regulieren Bitterstoffe den Appetit und nehmen die Lust auf Süßkram und Junkfood. Vor einer Mahlzeit wirken Bitterstoffe appetitanregend und bereiten den gesamten Verdauungstrakt auf die bevorstehende Verdauungsarbeit vor. Nach dem Essen lindern Bitterstoffe Völlegefühl, Bauchschmerzen oder Blähungen und reduzieren die Zeit im „Food-Koma“.

Trotz der vielen gesundheitlichen Vorteile sind Bitterstoffe nicht jedermanns Sache. Ein angenehmeres Geschmackserlebnis sind Bitterstoff-Präparate in Sprayform. Sie schmecken leichter und weniger dominant als Tropfen-Präparate. So fällt es insbesondere Bitterstoff-Neulingen leichter, eine gesunde Bitterlust zu entwickeln.

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Margit Weichselbraun mit langen Haaren in einem schwarzen Kleid, mit verschränkten Armen in einem sanft beleuchteten Raum stehend. Schwarz-Weiß-Foto.

Mag. Margit Weichselbraun

Expertin Wissensmanagement, BIOGENA

Die faszinierende Welt der Mikronährstoffe und bewegende Gesundheitsthemen sind eine große Leidenschaft der studierten Ernährungswissenschaftlerin. Gekonnt zaubert die passionierte Wortschmiedin aus diversen wissenschaftlichen Quellen Beiträge, die umfangreiche Themen verständlich darlegen. Privat ist Margit Weichselbraun außerdem Vollblut-Mama zweier Kinder.

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